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geben; denn keine Stunde zuvor dürfte ich dich von mir lassen. Sie starb. Eher ist nun das Geschenk«,
fuhr Benazar fort, indem er ein silbernes Pfeifchen an einer langen goldenen Kette aus einem Kästchen
hervorsuchte, »und ich gebe es dir in deinem achtzehnten statt in deinem zwanzigsten Jahre, weil du
abreisest und ich vielleicht, ehe du heimkehrst, zu meinen Vätern versammelt werde. Ich sehe keinen
vernünftigen Grund ein, warum du noch zwei Jahre hier bleiben sollst, wie es deine besorgte Mutter
wünschte. Du bist ein guter und gescheiter Junge; führst die Waffen so gut als einer von
vierundzwanzig Jahren, daher kann ich dich heute ebensogut für mündig erklären, als wärest du schon
zwanzig. Und nun ziehe in Frieden und denke im Glück und Unglück, vor welchem der Himmel dich
bewahren wolle, an deinen Vater!«
So sprach Benazar von Balsora, als er seinen Sohn entließ. Said nahm bewegt von ihm Abschied, hing
die Kette um den Hals, steckte das Pfeifchen in den Gürtel, schwang sich aufs Pferd und ritt nach dem
Ort, wo sich die Karawane nach Mekka versammelte. In kurzer Zeit waren an achtzig Kamele und
viele hundert Reiter beisammen; die Karawane setzte sich in Marsch, und Said ritt aus dem Tor von
Balsora, seiner Vaterstadt, die er in langer Zeit nicht mehr sehen sollte.
Das Neue einer solchen Reise und die mancherlei niegesehenen Gegenstände, die sich ihm
aufdrängten, zerstreuten ihn anfangs; als man sich aber der Wüste näherte und die Gegend immer öder
und einsamer wurde, da fing er an, über manches nachzudenken und unter anderem auch über die
Worte, womit ihn Benazar, sein Vater, entlassen hatte.
Er zog das Pfeifchen hervor, beschaute es hin und her und setzte es endlich an den Mund, um einen
Versuch zu machen, ob es vielleicht einen recht hellen und schönen Ton von sich gebe; aber siehe, es
tönte nicht, er blähte die Backen auf und blies aus Leibeskräften, aber er konnte keinen Ton
hervorbringen, und, unwillig über das nutzlose Geschenk, steckte er das Pfeifchen wieder in den
Gürtel. Aber bald richteten sich alle seine Gedanken wieder auf die geheimnisvollen Worte seiner
Mutter; er hatte von Feen manches gehört; aber nie hatte er erfahren, daß dieser oder jener Nachbar in
Balsora mit einem übernatürlichen Genius in Verbindung gestanden sei, sondern man hatte die Sagen
von diesen Geistern immer in weit entfernte Länder und alte Zeiten versetzt, und so glaubte er, es gebe
heutzutage keine solchen Erscheinungen mehr, oder die Feen haben aufgehört, die Menschen zu
besuchen und an ihren Schicksalen teilzunehmen. Obgleich er aber also dachte, so war er doch immer
wieder von neuem versucht, an irgend etwas Geheimnisvolles und Übernatürliches zu glauben, was
mit seiner Mutter vorgegangen sein könnte, und so kam es, daß er beinahe einen ganzen Tag wie ein
Träumender zu Pferde saß und weder an den Gesprächen der Reisenden teilnahm, noch auf ihren
Gesang oder ihr Gelächter achtete.
Said war ein sehr schöner Jüngling; sein Auge war mutig und kühn, sein Mund voll Anmut, und so
jung er war, so hatte er doch in seinem ganzen Wesen schon eine gewisse Würde, die man in diesem
Alter nicht so oft trifft, und der Anstand, womit er leicht, aber sicher und in vollem kriegerischem
Schmuck zu Pferde saß, zog die Blicke manches der Reisenden auf sich. Ein alter Mann, der an seiner
Seite ritt, fand Wohlgefallen an ihm und versuchte, durch manche Fragen auch seinen Geist zu prüfen.
Said, welchem Ehrfurcht gegen das Alter eingeprägt worden war, antwortete bescheiden, aber klug
und umsichtig, so daß der Alte eine große Freude an ihm hatte. Da aber der Geist des jungen Mannes
schon den ganzen Tag nur mit einem Gegenstand beschäftigt war, so geschah es, daß man bald auf das
geheimnisvolle Reich der Feen zu sprechen kam, und endlich fragte Said den Alten geradezu, ob er
glaube, daß es Feen, gute oder böse Geister geben könne, welche den Menschen beschützen oder
verfolgen.
Der alte Mann strich sich den Bart, neigte seinen Kopf hin und her und sprach dann: »Leugnen läßt es
sich nicht, daß es solche Geschichten gegeben hat, obgleich ich bis heute weder einen Geisterzwerg,
noch einen Genius als Riesen, weder einen Zauberer, noch eine Fee gesehen habe.« Der Alte hub dann
an und erzählte dem jungen Mann so viele und wunderbare Geschichten, daß ihm der Kopf
schwindelte und er nicht anders dachte, als alles, was bei seiner Geburt vorgegangen, die Änderung
des Wetters, der süße Rosen- und Hyazinthenduft, sei von großer und glücklicher Vorbedeutung, er
selbst stehe unter dem besonderen Schutz einer mächtigen, gütigen Fee, und das Pfeifchen sei zu
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