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reichten nicht hin, sie beide zu ernähren. Im Suchen größerer Schätze verschwand nicht nur
das gefundene Gold, sondern allmählich auch das ganze Eigentum der Junggesellen. Aber
so wie Strumpf früher stillschweigend von Falke den besten Teil seiner Nahrung hatte
erwerben lassen, so ertrug er es auch jetzt schweigend und ohne Murren, daß die zwecklose
Tätigkeit desselben sie ihm jetzt entzog; und gerade dieses sanftmütige Dulden seines
Freundes war es, was jenen nur noch mehr anspornte, sein rastloses Suchen nach
Reichtum weiter fortzusetzen. Was ihn aber noch tätiger machte war, d aß, sooft er sich zur
Ruhe niederlegte, und seine Augen sich zum Schlummer schlossen, etwas ihm ein Wort ins
Ohr raunte, das er zwar sehr deutlich zu vernehmen glaubte, und das ihm jedesmal dasselbe
schien, das er aber niemals behalten konnte. Zwar wußte er nicht, was dieser Umstand, so
sonderbar er auch war, mit seinem jetzigen Streben zu tun haben könne; aber auf ein
Gemüt, wie Wilm Falkes, mußte alles wirken, und auch dieses geheimnisvolle Flüstern half,
ihn in dem Glauben bestärken, daß ihm ein großes Glück bestimmt sei, das er nur in einem
Goldhaufen zu finden hoffte.
Eines Tages überraschte ihn ein Sturm am Ufer, wo er den Goldbarren gefunden hatte, und
die Heftigkeit desselben trieb ihn an, in einer nahen Höhle Zuflucht zu suchen. Diese Höhle,
welche die Einwohner die Höhle von Steenfoll nennen, besteht aus einem langen
unterirdischen Gange, welcher sich mit zwei Mündungen gegen das Meer öffnet, und den
Wellen einen freien Durchgang läßt, die sich beständig mit lautem Brüllen schäumend durch
denselben hinarbeiten. Diese Höhle war nur an einer Stelle zugänglich, und zwar durch eine
Spalte von oben her, welche aber selten von jemand anderem, als mutwilligen Knaben,
betreten ward, indem zu den eigenen Gefahren des Ortes sich noch der Ruf eines
Geisterspuks gesellte. Mit Mühe ließ Wilm sich in denselben hinab, und nahm ungefähr zwölf
Fuß tief von der Oberfläche auf einem vorspringenden Stein, und unter einem
überhängenden Felsenstück Platz, wo er mit den brausenden Wellen unter seinen Füßen,
und dem wütenden Sturm über seinem Haupte in seinen gewöhnlichen Gedankenzug verfiel,
nämlich von dem gescheiterten Schiffe, und was für ein Schiff es wohl gewesen sein mochte;
denn trotz allen seinen Erkundigungen hatte er selbst von den ältesten Einwohnern von
keinem an dieser Stelle gescheiterten Fahrzeuge Nachricht erhalten können. Wie lange er so
gesessen, wußte er selber nicht; als er aber endlich aus seinen Träumereien erwachte,
entdeckte er, daß der Sturm vorüber war; und er wollte eben wieder emporsteigen, als eine
Stimme sich aus der Tiefe vernehmen ließ und das Wort Car- mil-han ganz deutlich in sein
Ohr drang. Erschrocken fuhr er in die Höhe, und blickte in den leeren Abgrund hinab.
"Großer Gott!" schrie er, "das ist das Wort, das mich in meinem Schlafe verfolgt, was um
Himmels willen, mag es bedeuten?!" - "Carmilhan!" seufzte es noch einmal aus der Höhle
herauf, als er schon mit einem Fuß die Spalte verlassen hatte, und er floh wie ein
gescheuchtes Reh seiner Hütte zu.
Wilm war indessen keine Memme; die Sache war ihm nur unerwartet gekommen, und sein
Geldgeiz war auch überdies zu mächtig in ihm, als daß ihn irgendein Anschein von Gefahr
hätte abschrecken können, auf seinem gefahrvollen Pfade fortzuwandern. Einst als er spät in
der Nacht beim Mondschein der Höhle von Steenfoll gegenüber mit seiner Schaufel nach
Schätzen fischte, blieb dieselbe auf einmal an etwas hängen. Er zog aus Leibeskräften, aber
die Masse blieb unbeweglich. Inzwischen erhob sich der Wind, dunkle Wolken überzogen
den Himmel, heftig schaukelte das Boot und drohte umzuschlagen; aber Wilm ließ sich
nichts irren: er zog und zog bis der Widerstand aufhörte, und da er kein Gewicht fühlte,
glaubte er, sein Seil wäre gebrochen. Aber gerade als die Wolken sich über dem Monde
zusammenziehen wollten, erschien eine runde, schwarze Masse auf der Oberfläche, und es
erklang das ihn verfolgende Wort Carmilhan! Hastig wollte er nach ihr greifen, aber
ebensoschnell als er den Arm darnach ausstreckte, verschwand sie in der Dunkelheit der
Nacht, und der eben losbrechende Sturm zwang ihn, unter den nahen Felsen Zuflucht zu
suchen. Hier schlief er vor Ermüdung ein, um im Schlafe, von einer ungezügelten
Einbildungskraft gepeinigt, aufs neue die Qualen zu erdulden, die ihm sein rastloses Streben
nach Reichtum am Tage erleiden ließ. Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne fielen auf
den jetzt ruhigen Spiegel des Meeres, als Falke erwachte. Eben wollte er wieder hinaus an
die gewohnte Arbeit, als er von ferne etwas auf sich zukommen sah. Er erkannte es bald für
ein Boot, und in demselben eine menschliche Gestalt; was aber sein größtes Erstaunen
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