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Gräfin Kleider geben, und diese Elenden sollten spät genug erfahren, welchen Mißgriff sie
getan."
Auch auf Felix hatte das Unglück dieser Frau großen Eindruck gemacht. Ihr ganzes Wesen
kam ihm so rührend und bekannt vor, es war ihm, als sei es seine frü he verstorbene Mutter,
die sich in dieser schrecklichen Lage befände. Er fühlte sich so gehoben, so mutig, daß er
gerne sein Leben für das ihrige gegeben hätte. Doch als der Student jene Worte sprach, da
blitzte auf einmal ein Gedanke in seiner Seele auf; er vergaß alle Angst, alle Rücksichten,
und er dachte nur an die Rettung dieser Frau. "Ist es nur dies", sprach er, indem er
schüchtern und errötend hervortrat, "gehört nur ein kleiner Körper, ein bartloses Kinn und ein
mutiges Herz dazu, die gnädige Frau zu retten, so bin ich vielleicht auch nicht zu schlecht
dazu; ziehet in Gottes Namen meinen Rock an, setzet meinen Hut auf Euer schönes Haar,
und nehmet meinen Bündel auf den Rücken und - ziehet als Felix, der Goldarbeiter, Eure
Straße."
Alle waren erstaunt über den Mut des Jünglings, der Jäger aber fiel ihm freudig um den Hals:
"Goldjunge", rief er, "das wolltest du tun? Wolltest dich in meiner gnädigen Frau Kleider
stecken lassen und sie retten? Das hat dir Gott eingegeben; aber allein sollst du nicht gehen,
ich will mich mit gefangen geben, will bei dir bleiben an deiner Seite, als dein bester Freund
und solange ich lebe, sollen sie dir nichts anhaben dürfen." "Auch ich ziehe mit dir, so wahr
ich lebe!" rief der Student.
Es kostete lange Überredung, um die Gräfin zu diesem Vorschlag zu überreden. Sie konnte
den Gedanken nicht ertragen, daß ein fremder Mensch für sie sich aufopfern sollte; sie
dachte sich im Fall einer späteren Entdeckung die Rache der Räuber , die ganz auf den
Unglücklichen fallen würde, schrecklich. Aber endlich siegten teils die Bitten des jungen
Menschen, teils die Überzeugung, im Fall sie gerettet würde, allem aufbieten zu können, um
ihren Retter wieder zu befreien. Sie willigte ein. Der Jäger und die übrigen Reisenden
begleiteten Felix in das Zimmer des Studenten, wo er sich schnell einige Kleider der Gräfin
überwarf. Der Jäger setzte ihm noch zum Überfluß einige falsche Haarlocken der
Kammerfrau und einen Damenhut auf, und alle versicherten, daß man ihn nicht erkennen
würde. Selbst der Zirkelschmidt schwur, daß wenn er ihm auf der Straße begegnete, würde
er flink den Hut abziehen und nicht ahnen, daß er vor seinem mutigen Kameraden sein
Kompliment mache.
Die Gräfin hatte sich indessen mit Hilfe ihrer Kammerfrau aus dem Ränzchen des jungen
Goldarbeiters mit Kleidern versehen. Der Hut, tief in die Stirn gedrückt, der Reisestock in der
Hand, das etwas leichter gewordene Bündel auf dem Rücken machten sie völlig unkenntlich
und die Reisenden würden zu jeder andern Zeit über diese komische Maskerade nicht wenig
gelacht haben. Der neue Handwerksbursche dankte Felix mit Tränen, und versprach die
schleunigste Hülfe.
"Nur noch eine Bitte habe ich", antwortete Felix, "in diesem Ränzchen, das Sie auf dem
Rücken tragen, befindet sich eine kleine Schachtel; verwahren Sie diese sorgfältig, wenn sie
verlorenginge, wäre ich auf immer und ewig unglücklich; ich muß sie meiner Pflegmutter
bringen und -"
"Gottfried, der Jäger, weiß mein Schloß", entgegnete sie, "es s oll Euch alles unbeschädigt
wieder zurückgestellt werden, denn ich hoffe, Ihr kommet dann selbst, edler junger Mann,
um den Dank meines Gatten und den meinigen zu empfangen."
Ehe noch Felix darauf antworten konnte, ertönten von der Treppe her die rauhen Stimmen
der Räuber; sie riefen, die Frist sei verflossen und alles zur Abfahrt der Gräfin bereit. Der
Jäger ging zu ihnen hinab, und erklärte ihnen, daß er die Dame nicht verlassen werde, und
lieber mit ihnen gehe, wohin es auch sei, ehe er ohne seine Gebieterin vor seinem Herrn
erschiene. Auch der Student erklärte, diese Dame begleiten zu wollen. Sie beratschlagten
sich über diesen Fall, und gestanden es endlich zu, unter der Bedingung, daß der Jäger
sogleich seine Waffen abgebe. Zugleich befahlen sie, daß die übrigen Reisenden sich ruhig
verhalten sollen, wann die Gräfin hinweggeführt werde.
Felix ließ den Schleier nieder, der über seinen Hut gebreitet war, setzte sich in eine Ecke, die
Stirne in die Hand gestützt und in dieser Stellung eines tief Betrübten, erwartete er die
Räuber. Die Reisenden hatten sich in das andere Zimmer zurückgezogen, doch so, daß sie,
was vorging, überschauen konnten; der Jäger saß anscheinend traurig, aber auf alles
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